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Anekdoten | |
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Argusaugen eines spezialisierten Wärters Differenziertheit der hiesigen Wärter Beobachtungsgabe der hiesigen Wärter
Überflüssige Teile beim Auto (Juli 2005) Zwei ehemalige Lehrlinge der Garage berichteten unabhängig voneinander folgenden Vorfall: Da an einem Fahrzeug das Bremssystem gewartet werden musste, demontierte ein Lehrling die Räder und entfernte die Bremsen komplett. Als der Lehrling anderweitig beschäftigt war, nahm ein Werkmeister die Montage in Angriff. Doch er montierte die Räder, ohne zu bemerken, dass das komplette Bremssystem fehlte. Als der Garagenchef dies erfuhr gab es ein unheimliches Donnerwetter. (Eigentlich ist dies ja nicht witzig, aber es passt in keine der anderen Rubriken.)
Unnütze Wichtigtuer (August 2004) Die Strafanstalt Pöschwies ist speziell – in jeder Hinsicht. Wir sind seit langem der Meinung, dass hier einige Wärter überflüssigerweise herumlungern. Dazu gehören unseres Erachtens nicht zuletzt die Abteilungsleiter. Diesen Herren unterstehen jeweils mehrere Pavillons. Sie treffen sich regelmässig zu wichtigen (?) Sitzungen. Nach Angaben von Angestellten der Küche wurde unlängst an einer solchen Sitzung eine ungemein wichtige Frage bezüglich Rohkost erörtert: Dürfen die Gefangenen auf ihre Rohkost-Teller Salatsauce geben; bleibt eine solche Rohkost noch Rohkost? Ist dies verantwortbar? Eine wirklich schwierige Fragestellung und wir sind froh, dass die Strafanstalt Pöschwies über fachlich qualifizierte Abteilungswärter verfügt, die offenbar nichts besseres zu tun haben, als über solch komplexen gordischen Knoten zu brüten.
Zuger Kirschtorte (August 2004) Vor kurzem machte ich eine Zuger Kirschtorte in der Küche. Ein Gefangener aus der Schreinerei wurde ertappt, als er ein Stück davon ass. Dies gab natürlich einen Rapport. Einige Tage darauf fragte mich ein Wärter, ob ich diesem Gefangenen das Tortenstück gegeben habe, oder ob es dieser selber genommen hat. (Gewisse Schlaumeier wollten auch mir einen Rapport aufbrummen.) Da ich diesen Wärter nicht kannte, fragte ich ihn zuerst einmal nach seinem Namen. Hier zeigt sich wieder deutlich, dass ich zwar ein Schwerverbrecher bin, aber sicherlich nicht wegen mangelnder Erziehung zu einem wurde – dagegen stelle ich mir bei einigen Wärtern öfters die Frage, ob sie wohl diesen Beruf mangels Kinderstube ergriffen haben. Der Wärter stellt sich also vor. Na also, geht ja. Dann fragte ich ihn worum es denn gehe. Da er mir darauf ausweicht, drehe ich das Verhör kurzerhand um und bohre mit mehreren Fragen weiter, bis ich genug weiss. Als er sich dann wieder nach dem Geschehenen erkundigte, erklärte ich ihm, dass ich dazu nichts zu sagen hätte. Später erfuhr ich, dass besagter Wärter zuerst in der Küche erschienen war, dort über eine halbe Stunde auf mich wartete. Danach in meinen Pavillon ging und erfuhr, dass ich Schule habe, um mich nach einem misslungenen Verhör mit dem Ertappten (auch dieser verweigerte die Aussage) in der Schule aufzusuchen. Schön, wenn man nichts besseres zu tun hat, als auf Geheiss des Vizedirektors den halben Morgen kreuz und quer durch die Strafanstalt zu forschen, wegen eines lumpigen Tortenstücks.
In jeder Hand ein Natel (August 2004) Am 5. Juli berichteten die Zeitungen, dass in Schweden die Zahl der Handys die Einwohnerzahl übersteige. Ein Gefangener meinte dazu dies gebe es nur in Stockholm und hier in der Pöschwies.
Argusaugen eines spezialisierten Wärters (August 2004) Auszüge aus der Antwort eines für das Urlaubswesen spezialisierten Wärters: „In der Nebenstrafe wurde ein Landesverweis von 10 Jahren ausgesprochen. Der Vollzug der Nebenstrafe wird vollzogen.“ „In Erwägung, dass ein Urlaubsmissbrauch, um sich der doch erheblichen Reststrafe zu entziehen, für ihn bedeuten würde, dass er zumindest den Rest seiner Strafe nicht zu verbüssen hätte.“ Diesem Wärter entgeht aber auch gar nichts – topgeschultes Fachpersonal!
Guten Appetit (August 2004) Nach Angaben eines Angestellten war ein Gefangener mal derart über das Essen erbost, dass er es kurzerhand stichprobenweise verpackte und an die Direktion schickte. Das gab ein rechtes Donnerwetter. Nicht sosehr, wegen der miserablen Qualität des Essens, als wegen der Tatsache, dass die originelle Beschwerde ihr Ziel erreichte.
Vorbildlich (März 2004) Ein pflichbewusster Werkmeister der Strafanstalt Pöschwies ertappte einige Gefangene beim Kartenspiel. Er wies sie an das Spiel sofort zu beenden und die Arbeit wieder aufzunehmen. Eine Viertelstunde später suchte ein Gefangener wegen einer Unklarheit das Büro des Werkmeisters auf. Doch er kommt ungelegen: Der Werkmeister sitzt am Computer und - spielt Karten.
Lasst mich rein! (März 2004) Bei den ersten Hafturlauben ist es in der Strafanstalt Pöschwies (und nur hier) üblich, dass ein Wärter den Gefangenen begleitet. Mit einer solchen Begleitung ging auch der Gefangene X. zu seiner Schwester. Doch der Wärter war derart angetan von dessen Schwester und auch sonst sehr geschwätzig, dass der Gefangene nicht mehr zu Worte kam. Auch sonst impulsiv sagte der Gefangene er gehe jetzt Zigaretten kaufen. Die beiden, ins Gespräch vertieft, nickten nur zustimmend. Auf die herausfordernde Bemerkung: „Vielleicht komme ich nicht wieder.“ bejahten seine Schwester und der Wärter abermals. Eine derartige Missachtung seiner Person quittierte der Gefangene mit seinem Verschwinden. Freilich meldete er sich am nächsten Tag beim Haupteingang des Gefängnisses und wollte rein. Aber die Stimme am anderen Ende der Gegensprechanlage sagte, sie hätten keinen Gefangenen mit einem solchen Namen auf der Urlauberliste. Erst auf die Erklärung, dass er auf der gestrigen Liste sei, wurde er nach einer Weile reingelassen. Darauf ging er durch die übliche Kontrolle in seine Zelle. Nach etwa einer Stunde stürmte der mittlerweile aufgescheuchte Sicherheitschef mit einigen seiner Leute in den Pavillon, nahm den Häftling sozusagen gefangen und führte ihn in den Bunker!? Was der Sinn dieser Aktion ist, bleibt bis heute ungeklärt.
Ich war’s nicht! (Dezember 2003) Ein Mitgefangener erzählte mir einmal von einer Geschichte als er noch draussen in Freiheit war. Die Gefangenen erzählen viel und gern und es muss nicht gerade alles der Wahrheit entsprechen. Für diese Geschichte spricht jedoch der Umstand, dass mein Kollege nicht gerade als Held dasteht. Er war nach einer langen Nacht gerade dabei eine Bar, in der er arbeitete, aufzuräumen. Urplötzlich knallte die Türe auf und es stürzten Polizisten herein. Er konnte sich gerade noch hinter die Theke werfen. Da er der einzige Anwesende war, hatte er schon im nächsten Moment das Vergnügen in mehrere Pistolenläufe zu schauen. Er brachte nur noch stammelnd mit erhobenen Händen hervor: „Ich bin nicht der, ich bin der andere...“ Das war er tatsächlich auch, wie sich später herausstellte.
Stress (Dezember 2003) Gesuche sind bei Behörden immer eine verzwickte Sache, insbesondere in unseren Gefilden innerhalb der Mauern. Der Gefangene X.* sah seine Sozialarbeiterin Y.* an seinem Arbeitsplatz, die ihn freundlich begrüsste und von Belanglosigkeiten zu sprechen begann. X. wollte den günstigen Moment nutzen, sie nach einer seit über drei Monaten pendenten (!) Angelegenheit bezüglich seines Urlaubsgesuchs zu befragen. Kaum aber hatte er die Frage gestellt, als Frau Y. krampfhaft, mit plötzlicher Heftigkeit auf ihre Uhr schaute und ausrief sie habe jetzt noch viel zu tun. Daraufhin verabschiedete sie sich hastig : „Auf wiedersehen!“ und verschwand erstaunlich flink. Später: X. ging zu Z.*, dem verantwortlichen für Urlaub, und fragte wegen seines Urlaubs nach (die mündlich Zusage hatte er schon seit Monaten). Z. erklärte ihm, er müsse nur das Gesuch ausfüllen und ihm abgeben und somit sei die Sache geritzt. X. brachte seine Sozialarbeiterin Y. zur Sprache, die ihm ihrerseits erklärt habe, sie müsse noch vorher irgendetwas schreiben. Z. war ein wenig erstaunt, denn er war der Meinung hier sei sonst nichts mehr vonnöten, trotzdem sah er in seinem Computer nach. Da stellte sich heraus, dass Frau Y. tatsächlich überhaupt nichts mehr beizutragen hatte!
Differenziertheit der hiesigen Wärter (Dezember 2003) In unserer Strafanstalt existiert eine Spezialabteilung für Langstrafige (LS), in der es einige Erleichterungen für die Gefangenen gibt (siehe auch die verschiedenen Haftarten in der Strafanstalt Pöschwies). Diese bezahlt man jedoch mit einer engmaschigeren Überwachung, z.B. in Form der jährlich stattfindenden Standortbesprechung. Hier haben alle Wärter die Gelegenheit anonym ihre Meinung über den betroffenen Gefangenen zu äussern. Das Ergebnis wird dann mit dem Betroffenen besprochen. Bei einem der Gefangenen fügten die Wärter (vermutlich mangels dramatischerer Tatsachen) als gewichtige Bemerkung über den Zigaretten rauchenden Häftling an: „Er konsumiert legale Drogen.“ So wollte man erreichen, der ansonsten belanglosen Qualifizierung durch das Personal, einen negativen und somit zu beachtenden Touch zu geben.
Beobachtungsgabe der hiesigen Wärter (Dezember 2003) Bevor einem Gefangenen Urlaub bewilligt wird, kommt es zu einem sogenannten runden Tisch. Da versammeln sich die verschiedensten Mitglieder der Exekutive (Sozialarbeiter, Wärter aus dem Pavillon, Therapeut, usw.), um wichtig zu beraten. Nachdem sie sich ausgesprochen haben, wird auch noch der betroffene Gefangene zu Tisch gebeten. Man stellt wieder ein paar Frägelchen und gibt sich sehr interessiert. Bei einem Mitgefangenen meinte es der Wärter wohl nur gut, als er hervorhob der Gefangene arbeite in seiner Zelle am Computer. Ein vielfältiges Betätigungsfeld ist schliesslich ein positives Zeichen. Alles nickte zufrieden. Schüchtern meldete sich der Gefangene zu Wort und stellte zaghaft fest, dass er gar keinen Computer besitze.
Erstausgabe Zwei AIP-Teilnehmer (AIP – ambulantes Intensivprogramm des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes), der Schweizer B.* und der Ausländer Z.*, gerieten im Pavillon in Streit, weil Z. ständig über die Schweiz und die Schweizer wetterte. Nachdem B. dies über Monate erduldet hat, sagte er eines Tages er wolle dies nicht mehr mit anhören, er fluche schliesslich auch nicht über das Heimatland von Z. Nach einem hin und her versetzte Z. dem Schweizer einen Schlag, worauf dieser ihm entgegnete wenn er dies noch einmal tue, dann werde er umbringen. Dies hörte ein Wärter und meldete es der AIP-Gruppe, in der beide gemeinsam zur Therapie gehen. B. wurde bis auf weiteres aus er Gruppe ausgeschlossen, weil er gedroht hat. Z. indessen darf weiterhin die Gruppentherapie besuchen. Es kam zu mehreren langen und intensiven Gesprächen zwischen den beiden Therapeuten der Gruppe und B. Dabei fragte B. einen der Therapeuten, wie er denn seiner Meinung nach hätte reagieren sollen. Darauf belehrte ihn der Therapeut: „Sie hätten sagen sollen: Ich bin mit deiner Handlung nicht einverstanden und werde es in der nächsten Therapiesitzung zur Sprache bringen.“ (??) B. war nach einem derart lebensfremden Rat nur noch zu einem ungläubigen Kopfschütteln fähig. Als Gefangener kann ich nur bestätigen, dass eine solche Äusserung im Gefängnis den Sprecher doch ein wenig diskreditieren würde. Hiermit soll nicht gesagt sein, die Drohung B.s sei eine adäquate Reaktion auf die Tätlichkeit. *Namen dem Autor bekannt
Ein Gefangener bekam den Brief, den er am Morgen abgegeben hatte abends mit der Post wieder zurück. Die Briefzensur hatte den Brief pflichtbewusst kontrolliert und das Papier nachträglich so gefaltet, dass der Absender als Empfänger im Sichtfenster zu liegen kam. Nachdem der Gefangene dieses Missgeschick dem Leiter des Sozialdienstes gemeldet hat, es war nicht zum ersten Mal vorgekommen, bat man ihn den Absender fortan so zu positionieren, dass er nicht mehr ins Sichtfenster passt.
Im Jahre 2000 forderten mehrere Gefangene bei einer Gruppenaudienz vom Direktor U. Graf er solle den Erwerb von Ventilatoren erlauben, die Hitze in den Zellen während der Sommerzeit sei unerträglich. Er versprach dies abzuklären und besprach es mit dem Sicherheitsdienst. Dieser sah darin eine Gefahr für den Fassadenalarm, welcher durch die Drehung des Ventilators ausgelöst werden würde?! Als Herr U. Graf diese Bedenken bei der nächsten Gruppenaudienz den Gefangenen vorlegte, schüttelten diese nur den Kopf. Der Direktor bewies nun Eigeninitiative, indem er kurzerhand einen Ventilator in einer leerstehenden Zelle aufstellte und laufen liess. Der Ventilator lief für mehrere Tage nonstop. Da bei dieser Übung weder der Fassadenalarm, noch eine andere Sicherheitsanlage ausgelöst worden war, bewilligte der Direktor die Ventilatoren. Es ist uns noch immer nicht ganz klar, ob der Sicherheitsdienst nun keine Ahnung vom eigenen System hat, oder ob diese laienhafte Behauptung nur der Versuch war eine Einschränkung für die Gefangenen aufrecht zu erhalten.
Im Personaltrestaurant steht täglich eine Auswahl an über zehn verschiedenen Salaten zur Verfügung. Eines Tages beschwerte sich ein Wärter lauthals über den miserablen Salat. Wir hatten Birchermüesli zum Salat hingestellt (ich arbeite für die Kantine) und der Wärter hatte es als angebracht betrachtet sein Müesli mit Französischer Sauce zu verfeinern.
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